• White Facebook Icon
  • White Twitter Icon
  • White Instagram Icon

Wen beraten wir?

2.jpg

Unserer Erfahrung nach, gibt es vielfältige Rollenmodelle, sexuelle Orientierungen, und geschlechtliche Identitäten zwischen den beiden Polen männlich und weiblich. An diese Erfahrung knüpfen wir an und richten unser Beratungsangebot an alle Menschen, die offen für diese Haltung sind.

Mehr Informationen zu den Themen:

 

Schwule Männer (...klicken für mehr Infos)

• Männer, die auch Sex mit Männern haben [MSM] (...klicken für mehr Infos)

• Heterosexuelle Männer (...klicken für mehr Infos)

• Heterosexuelle Frauen und Lesben (...klicken für mehr Infos)

Menschen, die sich weder in der Geschlechtszugehörigkeit noch in ihrer

   sexuellen Orientierung zuordnen möchten (...klicken für mehr Infos)

 

Schwule Männer


Schwule Männer haben ihre Sexualität in den vergangenen Jahrzehnten anders leben können als in den 50er Jahren, als homosexuelle Handlungen ein Straftatbestand waren und mit Gefängnis bestraft wurden. Auch wenn die Schwulen- und Frauenbewegung der 70er Jahre eine ungeheure sexuelle Liberalisierung mit sich gebracht hat, so hat das Aufkommen von HIV und Aids wiederum ganz eigene Herausforderungen und eine kollektive Traumatisierung nach sich gezogen.

 

So haben die letzten Jahrzehnte zwar gesellschaftliche Veränderungen in Bezug auf sexuelle Vielfalt mit sich gebracht haben, dennoch werden homosexuelle Menschen vielfach immer noch diskriminiert. Die erlebte Ablehnung kann dazu führen, dass Schwule und Lesben keine positive Identität aufbauen können, weil sie diese Ablehnung verinnerlichen.

Vor diesem Hintergrund wird der Eintritt in die schwule Szene, wenn er denn möglich ist, als Befreiung erlebt.

Schwule Männer, die häufiger promisk und vielfach in sexuell offenen Beziehungen leben, unterliegen hier jedoch häufig ebenso rigiden normativen Vorstellungen wie heterosexuelle Männer und Frauen. Sexualität hat hier in der Regel einen höheren und anderen Stellenwert, weil Sexualität genau der Bereich ist, der einerseits die gesellschaftliche Diskriminierung und hierdurch eine mögliche Selbstablehnung verursacht, andererseits aber ebenso der Bereich ist, der die Zugehörigkeit zur schwulen Welt ausmacht. Durch die notwendige Abgrenzung zur Hetero-Welt herrschen auch in der schwulen Welt festgelegte Maßstäbe, wie Sexualität auszusehen hat. Diesen Maßstäben nicht genügen zu können oder dies nicht zu wollen, kann als Mangel erlebt werden.

Vor diesem Hintergrund kann jede vermeintliche Abweichung, jede „Funktionsstörung“ und jede Veränderung der Lebenssituation in ein sexuelles Leerfeld führen, in dem kein Handlungsspielraum mehr zu existieren scheint.

Was auch immer in der Sexualität, wie sie bisher gelebt werden konnte, nicht mehr „funktioniert“, wir verstehen sexuelle Symptome nicht als „Störung“. Sie sind ein Hinweis des Körpers und der Psyche, dass Veränderungen anstehen.

 

Männer, die (auch) Sex mit Männern haben (MSM)


In unserer langjährigen Beratungstätigkeit hat sich gezeigt, dass viele Männer, die sich als heterosexuell erleben, auch sexuelle Kontakte zu Männern haben. Hier zeigt sich, dass ausschließliche Homosexualität und Heterosexualität die Pole eines breiten Spektrums sexuellen Verhaltens darstellen. Die Forderung der Gesellschaft, sich zu einer eindeutigen Orientierung zuzuordnen, kann als sehr belastend erlebt werden, wenn sie dem eigenen Erleben nicht entsprechen.

 

 

 

 

Heterosexuelle Männer 

Männer sind in unserer Gesellschaft mit einer Fülle möglicher Rollenbilder konfrontiert.

 

Gehörten traditionelle Männerbilder des Ernährers und Oberhauptes der Familie eigentlich der Vergangenheit an, so sind diese mit den sogenannten Maskulinisten wieder zum Leben erweckt worden. Männlichkeit wird hier hauptsächlich in einer deutlichen Abgrenzung zu vermeintlich weiblichem Verhalten definiert. Aggression, körperliche Stärke, Dominanz und Macht sind für diese Männer wichtige Werte. Emotionen, Erfahrungen von Angst, Ohnmacht und Schwäche werden als weibisch abqualifiziert und mit Schwulsein in Verbindung gebracht. In diesem sehr traditionellen Weltbild dient das starre Festhalten an altherbrachten Werten der Orientierung und zeigt eine große Unsicherheit für das eigene Rollenverständnis.

Denn was hierbei übersehen wird, ist, dass alle genannten Möglichkeiten menschliche Eigenschaften sind, die beiden Geschlechtern möglich sind.

 

Auf der anderen Seite des Spektrums fühlen sich Männer in ihrer männlichen Identität so sicher, dass sie die scharfe Abgrenzung zu sogenannten weiblichen Eigenschaften nicht brauchen. Aber auch bei Ihnen herrscht manchmal Unklarheit darüber, was denn nun das spezifisch Männliche in ihrem Leben ist.

Viele Männer sind sich also der unterschiedlichen Rollenanforderungen bewusst und nicht selten verunsichert, was Männlichkeit für sie konkret bedeutet und wie sie diese im Rahmen der verschiedenen Rollenanforderungen leben wollen und leben können.  

 

Dies hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf das Erleben der eigenen Sexualität. Männliche Sexualität wird immer noch mit einer immer verfügbaren, perfekten Funktionsfähigkeit in Verbindung gebracht. Sexuell nicht zu funktionieren wird als Versagen erlebt. Störungen der Erektion beispielsweise wurden früher als Impotenz, also als Machtlosigkeit, bezeichnet. Die Frage, die sich Männer hier beispielsweise stellen könnten, ist, ob Männlichkeit für sie nur durch ein perfektes Funktionieren der Erektion ausgedrückt werden kann oder ob Männlichkeit nicht noch sehr viel mehr beeinhaltet.

Viele Männer und Frauen versuchen jedoch jenseits einengender Rollenklischees, sogenannte männliche und weibliche Eigenschaften in individuellen Ausprägungen in ihr Leben zu integrieren.  

4.jpg
 

 

Heterosexuelle Frauen und Lesben 


Trotz der vermeintlichen sexuellen Freiheit existieren in unserer Gesellschaft eher stereotype Bilder und Vorstellungen zu Sexualität. Beispiele hierfür sind: Männer wollen und können immer. Frauen sind sexuell eher zurückhaltend, geraten aber beim richtigen Mann auf Knopfdruck in Ekstase.

Auch heute noch passen sich viele Frauen einer männlich definierten Sexualität an. Sie gestehen sich nicht zu, sich für die Sexualität einzusetzen, die ihnen entspricht. Ein Grund hierfür ist, dass viele Frauen keine klare Vorstellung ihrer Bedürfnisse haben. So ist Selbstbefriedigung, die für Männer ein selbstverständlicher Teil ihrer Sexualität ist, für viele Frauen immer noch Tabu. Den eigenen Körper zu kennen, ist jedoch äußerst hilfreich, um eigene sexuelle Wünsche benennen zu können. Unkenntnis kann beispielsweise dazu führen, dass sich Frauen fragen, ob mit ihnen etwas nicht stimmt, wenn sie durch Penetration nicht zum Orgasmus kommen.

Sexualberatung kann hier ein Raum der Auseinandersetzung mit Mythen, Rollenanforderungen und Idealbildern bieten, sodass Schritt für Schritt eine Vorstellung der eigenen Sexualität entwickelt und diese selbstbewusst vertreten werden kann.

Wir stellen einen Raum zur Verfügung, in dem verstanden werden kann, was die „Störung“ verursacht hat und in welchem lebensgeschichtlichen oder paargeschichtlichen Kontext sie steht. Wichtig ist, die Sprache der sexuellen Symptomatik zu verstehen und eine sich selbst und dem jetzigen Lebensabschnitt entsprechende Sexualität zu entwickeln.

 

Menschen, die sich weder in der Geschlechtszugehörigkeit noch in ihrer sexuellen Orientierung zuordnen möchten


Geschlechtsidentität setzt sich aus drei Ebenen zusammen: dem biologischen Geschlecht, der Geschlechtsrolle und dem Geschlechtsempfinden.

Hierbei setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass diese drei Ebenen nicht zwingend überein stimmen. Das „Vollblutweib“ und der „Macho“ sind eher als extreme Pole zu sehen, zwischen denen eine große Bandbreite von unterschiedlichen Konstellationen möglich ist. Der gesellschaftliche Druck, sich selbst eindeutig und sichtbar einem Geschlecht zuordnen zu müssen, ist immer noch sehr hoch.

Dies gilt auch für die Frage der sexuellen Orientierung. In der Kategorisierung Heterosexualität, Homosexualität und Bisexualität findet sich jedoch nicht jeder wieder.

Deshalb kann es schwierig sein, bei sich selbst Uneindeutigkeiten wahrzunehmen und diese annehmen zu können.