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Beratungsthemen und "Störungen"

Störungen der Sexualität

 

Wie Sexualität gelebt wird, hängt von der jeweiligen Kultur, der historischen Entwicklung und der individuellen Lebensgeschichte ab. 


Entlang den Beziehungserfahrungen entwickelt jeder Mensch eine eigene sexuelle Geschichte. In dieser wird die individuelle Bedeutung, die der eigenen Sexualität zugemessen wird, festgeschrieben. Diese Geschichte prägt das sexuelle Erleben und den Umgang mit lebensgeschichtlichen Veränderungen. Sexualität steht dazu immer auch in einem gesellschaftlichen und historischen Entwicklungskontext.


Wir stellen einen Raum zur Verfügung, in dem verstanden werden kann, was die „Störung“ verursacht hat und in welchem lebensgeschichtlichen oder paargeschichtlichen Kontext sie steht.  Wichtig ist, die Sprache der sexuellen Symptomatik zu verstehen und eine sich selbst und dem  jetzigen Lebensabschnitt entsprechende Sexualität zu entwickeln.


Was auch immer in der Sexualität wie sie bisher gelebt werden konnte, nicht mehr „funktioniert“, wir verstehen sexuelle Symptome nicht als „Störung“. Sie sind ein Hinweis des Körpers und der Psyche, dass Veränderungen anstehen.

Was auch immer in der

Sexualität wie sie bisher gelebt

werden konnte, nicht mehr

„funktioniert“, wir verstehen

sexuelle Symptome nicht als

„Störung“, sondern als

Hinweis des Körpers und der

Psyche innerhalb einer

bestimmten

Lebenssituation

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu Themen wie Pädophilie, Transsexualität und Intersexualität beraten wir nicht selbst. Hier können wir aber gerne an kompetente Kolleginnen und Kollegen weiterverweisen.

Beratungsthemen

  • Sexuelle Funktionsstörungen, wie beispielsweise​

- Probleme im Zusammenhang mit der Erektion

- vorzeitiger Samenerguss

- Schmerzen beim Sex

- Orgasmusprobleme

- sexuelle Lustlosigkeit

  • wenn das eigene Sexualerleben als problematisch empfunden wird, beispielsweise in Bezug auf die Partnerwahl, die Sexualpraktik oder der Gestaltung einer sexuellen Szene

  • Fragen der Geschlechtsidentität (...klicken für mehr Infos)

  • Problematischer Drogengebrauch beim Sex/Chemsex (...klicken für mehr Infos)

  • Suchtartiges Sexualverhalten

  • Sexualisierte Gewalterfahrungen (...klicken für mehr Infos)

  • Partnerschaftskonflikte-Paarberatung

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Schwule Identität und Männlichkeit

Schwule Männer haben in der Regel eine andere sexuelle Entwicklungsgeschichte als heterosexuelle Männer. Sexualität ist hier mit der Erfahrung des Andersseins verbunden. Vermeintlich geschlechtsunangepasstes Verhalten kann schon in der Kindheit zu Unverständnis und Ablehnung führen. Untersuchungen belegen zusätzlich, dass homosexuelle Menschen in ihrer Kindheit und Jugend noch häufiger körperlicher und sexueller Gewalt ausgesetzt sind als andere.

Schwulen Männern wird eine Nähe zu eher weiblichem Verhalten unterstellt. Dies verstößt gegen in weiten Teilen der Gesellschaft auch heute noch verbreiteten sehr engen Vorstellungen von Männlichkeit. Gleichzeitig wird hierdurch deutlich, wie tief die negative Bewertung sogenannter weiblicher Eigenschaften in unserer Gesellschaft immer noch verankert ist.

Schwule Männer aus anderen Kulturen

Besonders deutlich erleben dies Männer mit einem anderen kulturellen Hintergrund. In sehr vielen Ländern der Welt steht Homosexualität unter Strafe, in einigen sogar unter Todesstrafe. So haben viele schwule Männer mit Migrationshintergrund große Schwierigkeiten ihr Schwulsein offen zu leben, auch wenn sie vielleicht schon lange in Deutschland leben oder hier geboren sind.

Deshalb kann Sexualität zwar einerseits als positiver Ausdruck des eigenen Soseins erlebt werden, kann aber auch sozialisationsbedingt Ursache einer möglichen Selbstablehnung sein. Auf dieser Grundlage kann Sexualität kaum konfliktfrei erlebt werden. Denn ein sicheres bejahendes Gefühl für die eigene Identität ist eine wichtige Voraussetzung, um die eigene Sexualität selbstbestimmt und lustvoll leben zu können.

Zahlreiche Untersuchungen belegen zudem, dass diese psychosozialen Faktoren die Entwicklung von Depressionen, Suchtverhalten und riskantem Gesundheitsverhalten begünstigen können.

Eine Rolle spielt auch, dass schwule Männer in besonderem Maß von HIV betroffen sind. Viele Männer mussten ihre Sexualität unter dem Damoklesschwert einer möglichen Infektion mit einer lange Zeit nicht zu behandelnden tödlichen Erkrankung entwickeln. Die Behandelbarkeit, wenn auch nicht die Heilung von HIV und die Einführung der Prep stellen heute einen erneuten großen Umbruch dar.

 

Sexualität hat in diesem Rahmen einen anderen Stellenwert, eine andere Bedeutung und erfüllt andere Funktionen als bei heterosexuellen Menschen. Und wird deshalb auch anders gelebt. Mehr als die Hälfte aller schwulen Partnerschaften werden sexuell offen gelebt, es gibt vielfältige, unterschiedliche Szenen für jede sexuelle Vorliebe, anonymer Sex und Promiskuität sind normaler Bestandteil der Szene.

Vielfach wurden schwule Lebensweisen gegen viele Widerstände hierbei zum Vorreiter sich anbahnender gesellschaftlicher Veränderungen. Galten SM, Fetischsex oder anonymer Sex vor einigen Jahren noch als behandlungsbedürftige Perversionen, so werden diese heute als mögliche sexuelle Spielarten, die sie vielfach immer waren, akzeptiert. In unseren Beratungen sehen wir immer häufiger auch heterosexuelle Paare, die nicht monogam leben wollen und mit anderen Beziehungsformen beziehungsweise anderen sexuellen Spielarten experimentieren.

Schwule Normativität und Individualität

Dennoch kann gerade diese mögliche sexuelle Bandbreite auch zum Problem werden. Und zwar dann, wenn hier der Druck entsteht, diese mögliche sexuelle Vielfalt möglichst funktionstüchtig und selbstoptimiert leben zu müssen. Nicht selten werden die tatsächlichen eigenen sexuellen Bedürfnisse dabei aus dem Blick verloren oder eigene Grenzen nicht mehr wahrgenommen. Ein Beispiel hierfür ist der zunehmende Gebrauch von Drogen beim Sex. Diese können zwar einerseits das sexuelle Empfinden stark intensivieren, andererseits aber auch Grenzüberschreitungen ermöglichen, deren seelisches und körperliches Verletzungspotenzial nicht mehr erkannt wird.

Schwule Lebensweisen wurden gegen viele Widerstände zum Vorreiter sich anbahnender gesellschaftlicher Veränderungen im sexuellen Bereich

Geschlechtsidentität

Geschlechtsidentität setzt sich aus drei Ebenen zusammen: dem biologischen Geschlecht, der Geschlechtsrolle und dem Geschlechtsempfinden.

Hierbei setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass diese drei Ebenen nicht zwingend überein stimmen. Das „Vollblutweib“ und der „Macho“ sind eher als extreme Pole zu sehen, zwischen denen eine große Bandbreite von unterschiedlichen Konstellationen möglich ist. Der gesellschaftliche Druck, sich selbst eindeutig und sichtbar einem Geschlecht zuordnen zu müssen, ist immer noch sehr hoch. Deshalb kann es schwierig sein, bei sich selbst Uneindeutigkeiten wahrzunehmen und diese annehmen zu können.

Poblematischer Drogengebrauch beim Sex/Chemsex

Der Begiff Chemsex bezeichnet Sex zwischen Männern unter dem Einfluss bestimmter synthetischer Drogen (Chems).

 

Chems sind Substanzen, die enthemmend und luststeigernd wirken. Dafür werden synthetische Drogen wie Crystal Methamphetamin, Mephedron und GHB/GBL eingesetzt.

Kontakte werden häufig über Dating-Apps angebahnt, oder es bilden sich Gruppen, die regelmäßig Chemsex praktizieren. Meist konsumieren alle Beteiligten, um gemeinsam in eine ähnlich euphorische und enthemmte Stimmung zu gelangen. Der sexuelle Akt unter Drogeneinfluss steht im Vordergrund. Tragfähige Beziehungen entstehen hier fast nie. Wer dabei nicht mehr mitmacht verliert in der Regel den Kontakt zu den Portalen oder Gruppen.

Unter dem Einfluss der „Chems“ können eigene moralische, ästhetische und soziale Grenzen und auch die Schmerzgrenzen verschoben werden. Dann werden Handlungen möglich, die ohne diese Stoffe nicht möglich waren oder nicht erstrebenswert erschienen.

So wie das Schmerzempfinden nach dem Rausch wieder da ist, kann auch die Psyche darunter leiden, dass Schamgrenzen überschritten wurden. Insbesondere wenn der nüchterne Mensch sich mit den eigenen Handlungen oder Erlebnissen nicht identifizieren kann.

Daher ist es sinnvoll, vorher zu überlegen, wo die eigenen körperlichen, sozialen, ästhetischen usw. Grenzen liegen und was auf keinen Fall passieren sollte. Hierdurch kann eine Art Notbremse eingebaut werden, um nicht zu weit zu gehen. Eine Übertragung dieser Entscheidungen in den Rauschzustand ist schwierig, da das emotionale Empfinden vom nüchternen Zustand extrem abweicht, aber es ist möglich, wenn es sich um wenige und einfache Regeln handelt. Die Wahrscheinlichkeit in Situationen zu gelangen, die die eigene Gesundheit psychisch und/oder physisch schädigen, sinken hierdurch.

Chems können leicht abhängig machen, und wenn dies geschieht, nimmt der Konsum so viel Raum ein, dass er auch den Alltag bestimmt. Spätestens dann ist von einer Sucht zu sprechen und es liegt nahe, den Konsum zu beenden oder zumindest zu unterbrechen. Dies ist eine Fragestellung die therapeutisch bearbeitet werden sollte. Hier macht es Sinn, sich einer stationären Behandlung zu unterziehen, um sich auch räumlich von dem Umfeld des Konsums zu trennen. Hier können wir an kompetente Kolleginnen und Kollegen verweisen.

Es können aber auch andere Probleme auftreten, die in einer Beratungssituation angegangen werden können.

 

Diese sind beispielsweise folgende Problemstellungen:

  • Ich sucht eine Beziehung finde aber beim Chemsex keinen festen Partner.

  • Ich überschreite im Rausch Grenzen und es geht mir danach schlecht. Manchmal frage ich mich, ob ich das bin, der das alles macht.

  • Ich nutze Dating-Apps und verwende mehr Zeit darauf, als ich möchte.

  • Ich habe Angst vor HIV oder anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Es gelingt mir aber nicht, meine Idee von Safer Sex so umzusetzen, dass ich meine Gesundheit nicht riskiere.

  • Ich habe Angst vor Strafverfolgung und gesellschaftlicher Stigmatisierung

  • Ich leide darunter, dass ich nach dem Rausch Phasen von tiefer Depression durchlebe und in meinem Alltag dadurch Probleme habe.

 

Grundsätzlich kann es zu Zuständen der Verwirrung darüber kommen, was will ich, was tue ich und was würde ich lieber tun. Hier bietet die Beratungssituation einen Raum, in dem es weder darum geht den Konsum zu verteidigen, noch für die Konsumfreiheit zu kämpfen, sondern sich in einer nüchternen, ruhigen Situation zu überlegen, was will ich wirklich und welchen Preis bin ich bereit zu zahlen.

 

Harmreduktion-Safer-use

Bei Überdosierungen kann es zu Bewusstlosigkeit und Atemlähmung kommen. Daher ist ein Konzept von Harmreduktion oder Safer-use unumgänglich, um die schädlichen Effekte der Substanzen zu reduzieren. Unter anderem sollte sich jeder Konsument darüber informieren, wie die Substanzen wirken, einzeln und im Zusammenspiel mit anderen sowie mit Medikamenten, die ggf. eingenommen werden.

Sexualisierte Gewalt

Die Formen der sexuellen Grenzüberschreitung sind vielfältig, so dass sehr differenziert betrachtet werden muss, was passiert ist und wie es erlebt wird.

 

Was ist eine Traumatisierung?

Nicht jede Grenzverletzung führt zu einer Traumatisierung. Von Traumatisierung spricht man, wenn der sexuelle Übergriff zu einem Erleben von so extremer Angst, Ohnmacht und Ausgeliefertsein führt, dass keine Möglichkeit der Bewältigung mehr besteht.

 

Das Erleben von extremer Gewalt führt deshalb in der Situation selbst zu unterschiedlichen Reaktionsweisen, wie beispielsweise Erstarrung oder Abspaltung. Hierbei schaltet der betroffene Mensch das bewusste Erleben von Angst, Ohnmacht und Hilflosigkeit ab. Viele Betroffene verstehen im Nachhinein nicht, warum sie sich nicht gewehrt haben und leiten hieraus ein eigenes Verschulden ab. Die Information, dass die Psyche beispielsweise Erstarrung nutzt, um psychisch zu überleben und dies eine häufige und normale Reaktion ist, ist hier sehr wichtig.

Auch die Reaktionsweisen nach der erlebten Gewalt sind sehr unterschiedlich. Einige Betroffene versuchen das Erlebte zu ignorieren und so scheinbar ungeschehen zu machen. Andere sind in ihrem Sicherheitsempfinden so grundsätzlich erschüttert, dass sie die Situation immer wieder nacherleben und in diesem Erleben emotional vorerst steckenbleiben. Beide Reaktionsweisen können erst einmal Teil eines normalen Verarbeitungsprozesses sein. Wenn es gelingt, das Erlebte mit der Zeit als einschneidende, schreckliche Erfahrung zu sehen, die zwar zum eigenen Leben gehört, aber nun vergangen ist, werden Schmerz, Angst und Ohnmachtsgefühle abnehmen und es wird sich wieder ein Sicherheitserleben einstellen.

Die Verarbeitung des Erlebten hängt maßgeblich von der Reaktion des Umfeldes ab.
 

Wann ist therapeutische Unterstützung notwendig?

Viele Betroffene kämpfen mit Schuldzuweisungen von sich selbst und anderen. Hierdurch wird die Auseinandersetzung mit den erlebten Gefühlen behindert. Betroffene kreisen um die Frage was sie falsch gemacht haben und ob sie ein eigenes Verschulden trifft. Die erlebte extreme Angst und Ohnmacht haben dann keinen Platz mehr und können nicht abgeschlossen werden. In der Folge können sich diese Gefühle auf andere Lebensbereiche ausdehnen und lebensbestimmend werden.

Bagatellisieren und Schuldzuweisung durch das Umfeld führen dazu, dass die Verantwortung vom Täter auf das „Opfer“ verlagert wird. Dies stellt erneut eine schwere Verletzung dar. Der notwendige schützende Raum und die Zeit, um das Erlebte verarbeiten zu können, wird hierdurch verweigert.

Manchmal wird von Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, auch erwartet, dass sie dauerhaft die Opferrolle einnehmen. Sie werden sozusagen in diese Rolle festgeschrieben und können so den Zugang zu ihrer Kompetenz und ihren Fähigkeiten verlieren. Hier fehlt die Anerkennung der Tatsache, dass Betroffene situativ Opfer eines Täters oder einer Täterin geworden sind, dies aber keineswegs bedeutet, dass sie nun lebenslang ein Opfer sind.

Wenn deutlich wird, dass sich das eigene Sicherheitsempfinden nicht wieder einstellt und das Gefühl bestimmend ist, in dieser Erfahrung stecken zubleiben, sollte therapeutische Unterstützung bei einem Therapeuten oder einer Therapeutin mit traumatherapeutischer Zusatzausbildung gesucht werden. Hier verweisen wir gerne an kompetente Kolleginnen und Kollegen.

Wie Gewalterfahrungen langfristig verarbeitet werden ist individuell sehr unterschiedlich und hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Je früher und je häufiger sexualisierte Gewalt, vor allem von nahen Bezugspersonen, erlebt wird, umso schwieriger ist die Verarbeitung.

Spätere Erfahrungen von sexueller Grenzüberschreitung, die von außen weniger schwerwiegend wirken, können in diesem Fall dazu führen, dass bei Betroffenen wieder die ganze Kaskade von Angst und Entsetzen in Gang gesetzt wird.

 

​Sexualisierte Gewalt in der Kindheit

 

Die Festlegung auf die „Opferrolle“ wird besonders deutlich bei Menschen, die sexualisierte Gewalt in der Kindheit erlebt haben. In unserer Gesellschaft werden Betroffene vielfach als dauerhaft beschädigt wahrgenommen. Dies kommt einer Stigmatisierung und Ausgrenzung gleich.

Diese Form des Umgangs ermöglicht, sich von dem Thema zu distanzieren und die enorm hohen Zahlen von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und die entsprechend enorm hohen Zahlen von Täterinnen und Tätern zu leugnen.

Nur ein geringer Teil der Täterinnen und Täter ist pädophil, das heißt sie können Begehren nur empfinden, wenn es auf Kinder und Jugendliche gerichtet ist. Der weitaus größere Teil nutzt einfach die Gelegenheit der eigenen Machtstellung, um sexualisierte Gewalt gegen Kinder auszuüben.

 

Sexualisierte Gewalt kommt häufig vor

Sehr viele Frauen und Männer haben sexuelle Grenzüberschreitungen und sexualisierte Gewalt, die nicht verarbeitet werden konnten, erfahren. Sexualität kann dann ein verletztes Gebiet sein, das einen besonders sorgsamen Umgang erfordert.

Wichtig ist, einen Raum zu haben, in dem die widersprüchlichen Gefühle da sein dürfen und sich in der Folge wieder ein Gefühl von der eigenen Integrität einstellen kann.